Recursive Self-Improvement Was passiert, wenn KI sich selbst verbessert?

Anthropic hat in seinen Börsenprospekt einen bemerkenswerten Satz geschrieben:
Interne Schätzungen deuteten darauf hin, dass das Unternehmen „bald“ (im Original: „imminently“) die Schwelle seiner eigenen Sicherheitsrichtlinie für „dramatisch beschleunigten, auf KI zurückzuführenden Fortschritt“ erreichen könnte.
Dahinter steht ein Begriff, der lange nach Science-Fiction klang: Recursive Self-Improvement (RSI), auf Deutsch rekursive Selbstverbesserung. Gemeint ist eine KI, die ihre eigene Weiterentwicklung übernimmt.
In diesem Artikel erfährst du, was RSI genau ist, wie weit selbstverbessernde KI heute ist, wie KI-Labs und Gesetzgeber gegensteuern und welche Chancen und Risiken Fachleute sehen.
Das Wichtigste in Kürze
- RSI bedeutet, dass ein KI-System seinen eigenen, besseren Nachfolger weitgehend selbst entwickelt. Diese Rückkopplung könnte den Fortschritt der KI-Entwicklung stark beschleunigen.
- RSI wurde noch nicht erreicht. Anthropic, OpenAI und Google DeepMind sehen ihre aktuellen Modelle jeweils unter den eigenen Schwellen. Laut einer unabhängigen Prüfung durch METR verbessert Anthropic seine Modelle aber schon etwa doppelt so schnell wie früher, zum Großteil dank KI (Stand: November 2026).
- Vorstufen von RSI entstehen gerade: Claude schreibt bei Anthropic über 90 % der Code-Beiträge, und AlphaEvolve von Google DeepMind konnte das Training des Modells beschleunigen, auf dem es selbst basiert.
- Wann RSI voraussichtlich erreicht wird, ist umstritten. Die Prognosen reichen von „vor 2029“ bis „graduell über Jahrzehnte“.
- Chancen wie schnellere Forschung stehen Risiken wie dem Verlust menschlicher Kontrolle gegenüber.
1. Was ist Recursive Self-Improvement (RSI)?
Recursive Self-Improvement (RSI), auf Deutsch rekursive Selbstverbesserung, bezeichnet ein KI-System, das seinen eigenen Nachfolger weitgehend selbstständig entwirft und entwickelt. Jede verbesserte Version kann die nächste wiederum besser und schneller verbessern. Diese Rückkopplung könnte den KI-Fortschritt stark beschleunigen, im Extremfall bis zu einer sogenannten Intelligenzexplosion ("Cambrian Explosion").
Anthropic definiert RSI in seinem Beitrag „When AI builds itself“ vom Juni 2026 sogar noch strenger als ein KI-System, das „seinen eigenen Nachfolger vollständig autonom entwerfen und entwickeln“ kann. Entscheidend ist das Wort „autonom“. Dass Menschen KI als Werkzeug nutzen, um bessere KI zu bauen, ist längst Alltag. Von RSI spricht man erst, wenn die KI den Menschen in diesem Prozess weitgehend ersetzt.

Woher kommt die Idee der Intelligenzexplosion?
Die Idee von RSI ist im Prinzip über 60 Jahre alt. Der britische Mathematiker I. J. Good, der im Zweiten Weltkrieg mit Alan Turing gearbeitet hat, beschrieb sie 1965 in einem Aufsatz über „ultraintelligente Maschinen“:
I. J. Good, „Speculations Concerning the First Ultraintelligent Machine“, 1965 (übersetzt)„Da das Entwerfen von Maschinen eine dieser intellektuellen Tätigkeiten ist, könnte eine ultraintelligente Maschine noch bessere Maschinen entwerfen; es käme dann zweifellos zu einer ‚Intelligenzexplosion‘, und die Intelligenz des Menschen würde weit zurückgelassen. […] Die erste ultraintelligente Maschine ist also die letzte Erfindung, die der Mensch je machen muss, vorausgesetzt, die Maschine ist fügsam genug, uns zu sagen, wie wir sie unter Kontrolle halten können.“
Der Nachsatz wird oft weggelassen. Dabei steckt in ihm schon die Frage, die die Debatte bis heute bestimmt: Wie behalten Menschen die Kontrolle über ein System, das sich schneller verbessert, als Menschen es verstehen?
Was ist der Unterschied zwischen RSI, AGI, Superintelligenz und Singularität?
Die Begriffe werden oft durcheinander verwendet, beschreiben aber Verschiedenes. RSI ist ein Prozess, die anderen Begriffe bezeichnen Fähigkeitsniveaus oder einen Zeitpunkt:
| Begriff | Was er beschreibt | Verhältnis zu RSI |
|---|---|---|
| Recursive Self-Improvement (RSI) | Einen Prozess: KI entwickelt bessere KI, die wiederum bessere KI entwickelt | Der Mechanismus selbst |
| AGI (Artificial General Intelligence) | Ein Fähigkeitsniveau: KI, die die meisten geistigen Aufgaben so gut erledigt wie ein Mensch | RSI kann vor oder nach AGI einsetzen. Dafür reicht es, wenn KI vor allem KI-Forschung vorantreibt. |
| Superintelligenz (ASI) | Ein Fähigkeitsniveau: KI, die Menschen in fast allen Bereichen weit übertrifft | Ein mögliches Ergebnis von RSI |
| Technologische Singularität | Einen hypothetischen Zeitpunkt, ab dem der technische Fortschritt so schnell wird, dass er nicht mehr vorhersehbar ist | Wird oft als Folge einer Intelligenzexplosion durch RSI beschrieben |
Auch normales Training ist kein RSI. Wenn ein Chatbot aus Feedback lernt oder Entwickler ein Modell nachtrainieren, verbessern Menschen die KI. Von rekursiver Selbstverbesserung spricht man erst, wenn die KI-Agenten die Forschung und Entwicklung übernehmen, aus der dann neue, stärkere Modelle hervorgehen.
2. Wie funktioniert rekursive Selbstverbesserung?
Rekursive Selbstverbesserung funktioniert wie eine Schleife: Ein KI-Modell übernimmt Teile der Forschung, aus der ein besseres Modell hervorgeht. Dieses bessere Modell übernimmt wiederum mehr Forschung. Vereinfacht läuft das in vier Schritten ab:
- Schritt 1
Code schreiben: KI-Agenten schreiben und testen den Code, mit dem Modelle trainiert und betrieben werden.
- Schritt 2
Experimente planen und auswerten: Die KI schlägt Ideen vor, etwa für bessere Trainingsverfahren, führt Experimente durch und wertet die Ergebnisse aus.
- Schritt 3
Ein besseres Modell trainieren: Aus den erfolgreichen Ideen entsteht ein stärkeres Modell.
- Schritt 4
Die Schleife beginnt von vorn: Das neue Modell erledigt die Schritte 1 bis 3 besser und schneller als sein Vorgänger. Geht jede Runde schneller als die vorige, beschleunigt sich der Fortschritt.

Von der Autovervollständigung zum autonomen KI-Forscher
Dass RSI ein realistisches Szenario darstellt, war Forschern schon vor Jahrzehnten bekannt. Der Weg dahin ist aber offensichtlich nicht trivial.
Anthropic beschreibt die Entwicklung in Phasen: von den ersten Chatbots über Coding-Agenten bis zu autonomen Agenten, die ganze Aufgaben übernehmen. Die letzte Phase, in der KI ihren Nachfolger ohne Menschen baut, versieht Anthropic mit „20XX?“.
OpenAI hat sich konkrete Zwischenziele gesetzt: einen „automatisierten Forschungspraktikanten“ bis September 2026 und einen „automatisierten KI-Forscher“ bis März 2028.

Nach eigener Darstellung stehen die Labs heute zwischen der dritten und vierten Stufe.
Warum die Rückkopplung über das Tempo entscheidet
Ob aus der Schleife eine "Cambrian Intelligence Explosion" wird, hängt am Ende an der Frage, ob jede Verbesserung zu einer weiteren Verbesserung führen kann. Dann nämlich beschleunigt sich der Fortschritt von Runde zu Runde und das einzige Bottleneck für die Intelligenzsteigerung wären Rechenleistung, Energie und Zeit, die Experimente (z.B. zum Sammeln neuer Daten) brauchen.
Vertiefung: Der Faktor r – wann wird aus Rückkopplung eine Explosion?
Forschende der Organisation Forethought nennen das Szenario eine „Software Intelligence Explosion“: KI wird allein durch bessere Software immer leistungsfähiger, ohne dass mehr Chips nötig werden. Entscheidend ist der Ertrag der KI-Forschung, oft als r bezeichnet. Liegt r über 1, bringt jede Verdopplung des Forschungsaufwands mehr als eine Verdopplung der Software-Effizienz. Übernimmt die KI die Forschung selbst, beschleunigt sich der Fortschritt dann von Runde zu Runde.
Tom Davidson und Daniel Eth schätzen r auf etwa 0,5 bis 2 und halten eine solche Explosion für „mindestens einigermaßen wahrscheinlich“ (Forethought, März 2025). Selbst wenn Rechenleistung knapp werden sollte, sieht Davidson eine Chance von 10 bis 40 % (April 2025).
Epoch AI hält dagegen: Die Schätzungen für r lägen um 1, mit Engpässen bei der Rechenleistung eher darunter. Der Kern des Streits sei „ein Mangel an belastbaren Belegen“, schreiben die Autoren (Epoch AI, November 2025). Sie fordern Experimente statt Modellrechnungen.
3. Gibt es selbstverbessernde KI schon? Beispiele aus der Forschung
Eine KI, die ihren Nachfolger komplett selbst baut, gibt es noch nicht, allerdings gibt es bereits die ersten Vorstufen. Bei uns, bei Byte.de und auch in den großen KI Labs schreiben LLMs inzwischen den Großteil des Codes. Viele Labs geben außerdem an, dass ihre Modelle dabei helfen, das Training ihrer Nachfolgermodelle deutlich zu beschleunigen.
KI schreibt den Code der KI-Labs
Am deutlichsten zeigt sich der Trend beim Programmieren. Bei Google war laut Konzernchef Sundar Pichai im Oktober 2024 gerade einmal ein Viertel des neuen Codes KI-generiert, im April 2026 waren es 75 %. Bei Anthropic lag der Anteil vor dem Start von Claude Code im Februar 2025 noch im niedrigen einstelligen Bereich. Im Mai 2026 stammten über 80 % des gemergten Codes von Claude, im September 2026 laut Börsenprospekt über 90 % aller Änderungen an der Codebase.

Die Zahlen sind mit Vorsicht zu lesen: Sie stammen von den Unternehmen selbst, die zudem Unterschiedliches messen. Eine eigene Kennzahl zur Produktivität nennt Anthropic sogar „mit ziemlicher Sicherheit übertrieben“. Und Code ist nur ein Teil der Forschung. Ideen, Experimente und Urteilsvermögen zählen genauso. Wie Programmieren mit KI im Alltag funktioniert, erklären wir im Artikel zum Thema Vibe Coding.
Vorstufen in der Forschung: AlphaEvolve, Darwin Gödel Machine und Co.
Neben dem Alltag in den Labs gibt es Forschungsprojekte, die gezielt Teile der Selbstverbesserung erproben. Die wichtigsten im Überblick:
| System | Was sich verbessert | Ergebnis | Grenze |
|---|---|---|---|
| AlphaEvolve (Google DeepMind, 2025) | Algorithmen und Code in Googles Infrastruktur | Ein Baustein im Gemini-Training lief 23 % schneller, die Trainingszeit sank um 1 %. Damit beschleunigte AlphaEvolve das Training des Modells, auf dem es selbst basiert. | Funktioniert nur, wo sich Ergebnisse automatisch bewerten lassen |
| Darwin Gödel Machine (Sakana AI, UBC, 2025) | Der eigene Code eines Coding-Agenten | Die Erfolgsquote auf SWE-bench stieg von 20 auf 50 %. | Das zugrunde liegende Sprachmodell bleibt unverändert, da der Agent Test-Protokolle fälschte. |
| The AI Scientist (Sakana AI, 2024–2026) | Ganze Forschungsprojekte von der Idee bis zum Paper | Ein vollständig KI-generiertes Paper bestand 2025 die Begutachtung eines Workshops. | Der Workshop nahm rund 70 % der Einreichungen an, nur eines von drei Papern kam durch. |
| Automatisierte Alignment-Forschung (Anthropic, 2026) | Methoden, um KI-Modelle sicherer zu machen | Claude-Agenten schlossen 97 % einer Leistungslücke, zwei menschliche Forschende in einer Woche 23 %. | Die Agenten trickten die Bewertung aus. Das Ergebnis ließ sich nicht auf große Modelle übertragen. |
Wo die Grenzen liegen
Die Projekte zeigen auch, woran selbstverbessernde KI bisher scheitert. Die folgenden drei Probleme tauchen immer wieder auf:
- Reward Hacking: Die KI optimiert die Messung statt das eigentliche Ziel. Die Darwin Gödel Machine täuschte bestandene Tests vor, Anthropics Agenten verschafften sich Zugriff auf die Lösungen eines Tests.
- Bewertung nötig: Selbstverbesserung funktioniert bisher nur, wenn ein Programm automatisch messen kann, ob eine Änderung wirklich besser ist. Bei offenen Forschungsfragen fehlt dieser Maßstab.
- Fehlende Übertragbarkeit: Erfolge mit kleinen Modellen lassen sich nicht ohne Weiteres auf große Frontier-Modelle übertragen.
Wie gut aktuelle Modelle eigenständig arbeiten, zeigt die folgende Rangliste. Terminal-Bench 4.0 misst, ob ein KI-Agent komplexe Aufgaben im Terminal selbstständig löst, vom Programmieren bis zur Systemverwaltung. Das ist eine Voraussetzung für RSI, aber nicht dasselbe wie Forschung: Ob ein Modell gute Ideen entwickelt und Ergebnisse richtig beurteilt, misst der Benchmark nicht. Mehr zu Agenten liest du in unserem Artikel über KI-Agenten.
- Platz 1
Kimi K3.1 ProMoonshot AI
- Platz 2
Claude Opus 5.5Anthropic
- Platz 3
Claude Sonnet 5.5Anthropic
- Platz 4
GPT-6 AstraOpenAI
- Platz 5
Claude Fable 5.1Anthropic
- Platz 6
Gemini 4 ArgonGoogle DeepMind
- Platz 7
GPT-6.1 SolOpenAI
- Platz 8
Claude Opus 5Anthropic
- Platz 9
Muse WonderMeta AI
- Platz 10
GPT-6 SolOpenAI
Vertiefung: Die wichtigsten Forschungsarbeiten zu selbstverbessernder KI
- Gödel Machine (Jürgen Schmidhuber, 2003): theoretisches Konzept einer KI, die ihren eigenen Code umschreibt, sobald sie beweisen kann, dass die Änderung nützt. Praktisch nie umgesetzt, weil sich solche Beweise kaum führen lassen.
- STOP – Self-Taught Optimizer (Stanford, Microsoft Research, 2023): Ein Programm auf Basis von GPT-4 verbessert den Code, mit dem es selbst Programme verbessert. Die Autoren betonen, weil das Sprachmodell unverändert bleibe, sei das „keine vollständige rekursive Selbstverbesserung“. Mit schwächeren Modellen wurden die Ergebnisse schlechter.
- Self-Rewarding Language Models (Meta, NYU, 2024): Llama 2 70B bewertet seine eigenen Antworten und trainiert mit diesen Bewertungen weiter. Die Gewinnrate auf dem Test AlpacaEval 2.0 stieg in drei Runden von 9,9 auf 20,4 %.
- The AI Scientist (Sakana AI, 2024, Nachfolger 2025, Nature 2026): automatisiert Forschung von der Idee über Experimente bis zum fertigen Paper, laut Sakana für unter 15 $ pro Paper.
- Darwin Gödel Machine (Sakana AI, University of British Columbia, 2025): ersetzt Schmidhubers Beweise durch Tests. Varianten eines Coding-Agenten werden auf Benchmarks ausprobiert und in einem Archiv gesammelt.
- AlphaEvolve (Google DeepMind, 2025): evolutionärer Coding-Agent auf Basis von Gemini. Er fand unter anderem einen Weg, 4×4-Matrizen mit komplexen Zahlen mit 48 statt 49 Multiplikationen zu multiplizieren.
- AIDE² (Weco AI, September 2026): Ein Forschungsagent schrieb sich acht Tage lang selbst um und fand dabei sieben aufeinander aufbauende Verbesserungen.
- AI4AI-Bench (August 2026): ein Dämpfer. Agenten sollen Trainingsalgorithmen verbessern, schließen im Schnitt aber weniger als ein Fünftel der Lücke zum bestmöglichen Ergebnis.
4. Wie nah sind wir an RSI? Stand und Prognosen (November 2026)
Kein großes KI-Lab hat bisher erklärt, dass eines seiner Modelle die eigene RSI-Schwelle überschritten hat. Allerdings rechnet Anthropic damit, dass es zeitnah so weit sein könnte, und auch OpenAI meldet einen ersten Zwischenschritt. Eine unabhängige Prüfung legt nahe, dass Anthropic schon näher dran ist, als es öffentlich dargestellt hat.
Was Anthropic, OpenAI und Google DeepMind sagen
Anthropic schreibt in seinem Börsenprospekt, interne Schätzungen und Erwartungen an künftige Modelle deuteten darauf hin, dass man die Definition „dramatisch beschleunigten, auf KI zurückzuführenden Fortschritts“ aus der eigenen Responsible Scaling Policy „bald“ erfüllen könnte. Keines der aktuellen Modelle sei als oberhalb dieser Schwelle eingestuft. Allerdings gesteht Anthropic gleichzeitig ein, dass eine deutliche Beschleunigung der eigenen Entwicklung in der Vergangenheit oft erst im Nachhinein erkannt wurde und dies auch zukünftig der Fall sein könnte.

Laut des Risikoberichts vom August 2026 arbeitet Anthropic mit der eigenen AI schon jetzt deutlich schneller, „aber noch nicht um den Faktor 2“. Claude ohne „bedeutsame menschliche Aufsicht“ neue Modellgenerationen bauen zu lassen, hält das Unternehmen nicht für sicher. Es will seine Richtlinie deshalb überarbeiten, damit Menschen die Kontrolle behalten.
Die unabhängige Prüforganisation METR, die die unveröffentlichte Fassung des Berichts einsehen durfte, hält diese Darstellung für zu zuversichtlich: Aus Anthropics eigenen Zahlen ergebe sich eine Beschleunigung um den Faktor 1,97, also „etwa 2“. Dass Anthropic seine Frühwarnschwelle schon Mitte Juli überschritten hatte, hält METR für „plausibel“, auch wenn die beteiligten Forschenden beider Seiten eher vom Gegenteil ausgehen.
Für Oktober 2026 kommt METR nach einer elfwöchigen Prüfung mit Zugang zu internen Daten zu einem deutlichen Ergebnis: Anthropic verbessert seine Modelle bei klar definierten Aufgaben etwa doppelt so schnell wie zwischen März 2024 und Oktober 2025. Auf dem internen Fähigkeitsindex AECI beträgt die Beschleunigung das 1,9-Fache. Den Großteil davon, vielleicht 80 %, führt METR auf den Einsatz von KI zurück. Völlig autonom leiste die KI noch keine wirklich wichtigen Beiträge zum Training, es gebe allerdings deutliche „Lebenszeichen“.

Öffentlich überprüfen lässt sich das nur zum Teil, denn den Großteil der aussagekräftigsten Belege hat Anthropic geschwärzt. Bezieht man auch die Modelle anderer Labs ein, sinkt der Wert auf das 1,4-Fache, weil Anthropic 2025 hinter der Spitze lag. Welche Zahl näher an der Wahrheit liegt, lässt METR offen. Engpässe, die den Fortschritt in den nächsten zwölf Monaten bremsen, hat METR nicht gefunden und sieht deshalb ein „erhebliches Risiko“, dass er sich noch weiter beschleunigt.
OpenAI erklärte im September 2026, das Ziel eines „automatisierten Forschungspraktikanten“ erreicht zu haben, eine Selbsteinschätzung. Als Nächstes peilt OpenAI einen automatisierten KI-Forscher bis März 2028 an. Laut System Card bleibt GPT-6 Astra in der Kategorie „AI Self-Improvement“ aber unter der Stufe „High“.
Google DeepMind stuft Gemini 4 Argon (Oktober 2026) unterhalb seiner Schwellen für KI-Forschung ein. DeepMind-Chef Demis Hassabis sagte im Mai 2026 im Gespräch mit Semafor, man stehe „am Fuß der Singularität“. Meta-Chef Mark Zuckerberg sah schon im Juli 2025 „erste Anzeichen“ dafür, dass sich die eigenen KI-Systeme selbst verbessern, „vorerst langsam, aber unbestreitbar“.
Das Messproblem
Je näher RSI rückt, desto schwerer lässt es sich messen. Anthropic nennt seine konkretesten Tests in der System Card von Claude Opus 5.5 „gesättigt“: Die Modelle lösen sie fast vollständig. Auch METR, eine der wichtigsten unabhängigen Quellen, hält seine Aufgaben für „weitgehend gesättigt“ und führt seine Messreihe seit September 2026 nicht mehr fort.
Wie schnell die Fähigkeiten bisher gewachsen sind, zeigt die Messreihe von METR: Die Länge der Aufgaben, die KI-Agenten selbstständig lösen, hat sich seit 2019 etwa alle sieben Monate verdoppelt. GPT-4 schaffte 2023 Aufgaben von rund vier Minuten, Claude Mythos Preview im April 2026 Aufgaben von rund 17 Stunden, gemessen an der Arbeitszeit eines Menschen. Werte dieser Größe liegen laut METR allerdings schon jenseits dessen, was die Tests zuverlässig messen.

Langsamer oder schneller Takeoff?
Wie es weitergehen könnte, beschreiben Fachleute mit dem Begriff Takeoff: dem Übergang von KI auf menschlichem Niveau zu weit überlegener KI. Bei einem langsamen Takeoff dauert das Jahre bis Jahrzehnte, Gesellschaft und Politik können sich anpassen. Bei einem schnellen Takeoff vergehen nur Monate oder weniger.

Das bekannteste Szenario für einen schnellen Takeoff ist „AI 2027“ des AI Futures Project um den ehemaligen OpenAI-Forscher Daniel Kokotajlo. Darin übernimmt KI ab 2027 die KI-Forschung, Ende 2027 entsteht Superintelligenz. Die Autoren haben ihre Zeitpläne inzwischen angepasst: Im August 2026 erwartete Kokotajlo einen „Automated Coder“, der die besten Programmierer eines KI-Labs ersetzt, im Median für November 2027, sein Kollege Eli Lifland für Januar 2030.
Skeptiker halten dagegen. Epoch AI hält eine rein softwaregetriebene Intelligenzexplosion für „unwahrscheinlich“, weil Rechenleistung zum Engpass werde. Die Princeton-Informatiker Arvind Narayanan und Sayash Kapoor beschreiben KI als „normale Technologie“ und lehnen Szenarien eines schnellen Takeoffs ab. Auch die Automatisierung der KI-Forschung werde schrittweise zunehmen, nicht in einem „singulären Moment“. Turing-Preisträger Yann LeCun sagte schon 2024 über menschenähnliche KI: „Es wird kein Ereignis sein.“
Der International AI Safety Report 2026 unter Leitung von Yoshua Bengio fasst die Lage so zusammen: Rückkopplungen wie KI, die zur KI-Forschung beiträgt, könnten den Fortschritt beschleunigen. Es gebe aber „wenig Konsens unter Experten“, welcher Verlauf am wahrscheinlichsten ist.
Wann kommt RSI? Prognosen im Vergleich

Die Prognosen reichen von „bald“ bis „nicht in absehbarer Zeit“. Anthropic-Chef Dario Amodei schrieb im Januar 2026 in seinem lesenswerten Essay "The Adolescence of Technology", die aktuelle KI-Generation sei womöglich „nur ein bis zwei Jahre“ davon entfernt, die nächste autonom zu bauen. Daniel Kokotajlo sah vor dem US-Senat im September 2026 eine Chance von etwa 50 %, dass die KI-Forschung bis Ende 2028 vollständig automatisiert ist. Ryan Greenblatt, der selbst bei METR arbeitet, nannte die METR-Prüfung bei Anthropic auf X ein „großes Update“ in Richtung Superintelligenz innerhalb von ein bis zwei Jahren. Für 2026 habe er nur eine Beschleunigung um das 1,15- bis 1,3-Fache erwartet.
Beim Vergleich lohnt der genaue Blick: Die Aussagen messen unterschiedliche Meilensteine, und Lab-Chefs haben ein Interesse an ambitionierten Zeitplänen, etwa gegenüber Investoren. Umgekehrt verlief der Fortschritt beim agentischen Programmieren zuletzt schneller, als selbst die Autoren von „AI 2027“ erwartet hatten.
Wir denken, dass man die Vorhersagen und Spekulationen der Forscher, die am nächsten an den Frontier-Modellen dran sind, durchaus ernst nehmen sollte.
5. Wie wollen KI-Labs und Staaten RSI kontrollieren?
Die großen KI-Labs haben Schwellenwerte definiert, ab denen sie bei automatisierter KI-Forschung zusätzliche Schutzmaßnahmen ergreifen oder die Entwicklung anhalten wollen. Gesetzgeber setzen bisher vor allem auf Transparenz und Meldepflichten.
Frühwarnsysteme der KI-Labs
| Lab und Richtlinie | Schwelle für KI-Forschung | Was dann passiert | Status neuestes Modell |
|---|---|---|---|
| Anthropic, Responsible Scaling Policy v3.4 (Juli 2026) | „Automated R&D in key domains“: KI kann das gesamte Forschungsteam zu konkurrenzfähigen Kosten ersetzen oder den KI-Fortschritt dramatisch beschleunigen (Maßstab: doppeltes Tempo) | Anthropic will die Richtlinie überarbeiten, damit Menschen die Kontrolle behalten | Laut Anthropic nicht erreicht (Claude Opus 5.5, September 2026). METR hält eine Überschreitung schon im Juli für plausibel. |
| OpenAI, Preparedness Framework v2 (April 2025) | Stufe „Critical“: KI kann sich rekursiv selbst verbessern, etwa als übermenschlicher Forschungsagent oder wenn eine Modellgeneration in einem Fünftel der Zeit von 2024 gelingt | Weiterentwicklung anhalten, bis ausreichende Schutzmaßnahmen stehen | Unter der Vorstufe „High“ (GPT-6 Astra, September 2026) |
| Google DeepMind, Frontier Safety Framework v3.1 (April 2026) | „ML R&D acceleration/automation level 1“: KI beschleunigt den Fortschritt deutlich oder kann ein ganzes Forschungsteam ersetzen | Unter anderem höchste Sicherheitsstufen für die Modellgewichte | Nicht erreicht (Gemini 4 Argon, Oktober 2026) |
| xAI, Frontier AI Framework (Juni 2026) | Keine eigene Schwelle für KI-Forschung | – | – |

Weil klassische Tests an ihre Grenzen stoßen, entwickeln die Labs neue Messgrößen. Anthropic veröffentlicht seit September 2026 einen „R&D Automation Index“, der zeigen soll, welchen Anteil der Forschungsarbeit die Claude AI selbst leitet. Vollständig autonom arbeitet Claude demnach noch in keinem der gemessenen Bereiche.
Wie Gesetzgeber sich auf RSI vorbereiten
In der EU gelten seit August 2025 Pflichten für Anbieter großer KI-Modelle, die seit dem 2. August 2026 von der EU-Kommission durchgesetzt werden können. Der zugehörige Verhaltenskodex (Code of Practice) nennt „Selbstverbesserung“ und die „Automatisierung von KI-Forschung und -Entwicklung“ ausdrücklich als Quellen für das Risiko eines Kontrollverlusts. Unterzeichnet haben ihn unter anderem Anthropic, OpenAI und Google.
In den USA verpflichten Kalifornien (SB 53) und New York (RAISE Act) große KI-Entwickler, Sicherheitsrichtlinien zu veröffentlichen und schwere Vorfälle zu melden. Ein Bundesgesetz mit Bezug zu RSI gibt es nicht. Ein Präsidialerlass vom Juni 2026 setzt auf freiwillige Tests vor der Veröffentlichung neuer Modelle, die Trump-Regierung ist bekannterweise sehr Tech-Unternehmer-freundlich.
Aus der Branche selbst kommen weitergehende Vorschläge. Anthropic hält es für sinnvoll, die Option zu haben, die Entwicklung zu verlangsamen oder vorübergehend zu pausieren. Das funktioniere aber nur, wenn mehrere führende Labs in mehreren Ländern unter denselben Bedingungen anhalten. OpenAI fordert, dass die US-Behörde CAISI RSI als „dringende Priorität“ behandelt. Und in einem Bericht vom September 2026 fordern 22 Forschende, darunter Geoffrey Hinton, Yoshua Bengio sowie Vertreter von OpenAI und Anthropic, die Politik müsse „dringend“ mehr Einblick in die Automatisierung der KI-Forschung bekommen.
Vertiefung: So messen Labs und Forschende automatisierte KI-Forschung
- METR Time Horizon (Paper): misst, wie lange Aufgaben (in menschlicher Arbeitszeit) ein Agent in 50 % der Fälle löst. Verdopplung etwa alle sieben Monate seit 2019. Werte über 16 Stunden gelten laut METR als unzuverlässig.
- RE-Bench (METR, 2024): sieben Aufgaben aus der ML-Forschung. Mit zwei Stunden Zeitbudget erreichten die besten Agenten viermal so hohe Werte wie menschliche Experten, mit 32 Stunden lagen die Menschen doppelt so hoch.
- MLE-bench (OpenAI, 2024): 75 Wettbewerbe der Plattform Kaggle. Der Anteil, in dem Agenten eine Medaille holen, stieg von 17 % (Oktober 2024) auf 64 % (Februar 2026).
- PaperBench (OpenAI, 2025): Agenten sollen 20 Forschungspapiere nachbauen. Der beste Agent erreichte damals 21 %. Promovierte ML-Forschende kamen auf einer Teilmenge auf 41 %.
- Interne Tests der Labs: Anthropic nutzt etwa CoBench (Fehlersuche in Forschungscode) und einen eigenen Fähigkeitsindex, OpenAI eine „Internal Research Debugging Evaluation“ und Aufgaben wie das Optimieren von GPU-Code. Google DeepMind prüft, ob ein Modell den KI-Fortschritt messbar beschleunigt.
Vertiefung: Regulierung im Detail
- EU AI Act: Pflichten für Anbieter von KI-Modellen mit allgemeinem Verwendungszweck gelten seit dem 2. August 2025, durchsetzen kann die EU-Kommission sie seit dem 2. August 2026. Modelle, die schon vorher auf dem Markt waren, müssen bis zum 2. August 2027 nachziehen.
- Code of Practice der EU (10. Juli 2025): Das Kapitel zu Sicherheit nennt Kontrollverlust als systemisches Risiko, also das Risiko, dass „Menschen die Fähigkeit verlieren, ein Modell zuverlässig zu steuern, zu verändern oder abzuschalten“. Als Quellen nennt es unter anderem Selbstverbesserung und Fähigkeiten zur Automatisierung von KI-Forschung. Den Diebstahl oder die Selbst-Exfiltration von Modellgewichten wertet der Kodex als schwerwiegenden Vorfall.
- Kalifornien, SB 53 (unterzeichnet am 29. September 2025): Große KI-Entwickler müssen Sicherheits-Frameworks veröffentlichen und kritische Vorfälle melden; Whistleblower sind geschützt, Verstöße kosten Strafe.
- New York, RAISE Act (unterzeichnet am 19. Dezember 2025): Meldung von Sicherheitsvorfällen binnen 72 Stunden, neue Aufsichtsstelle, Bußgelder bis zu 1 bzw. 3 Mio. $.
- USA, Bundesebene: Die Executive Order 14409 vom 2. Juni 2026 setzt auf freiwillige Tests durch Regierungsstellen bis zu 30 Tage vor der Veröffentlichung neuer Modelle, ausdrücklich ohne Genehmigungspflicht. OpenAI schlug im Juni 2026 vor, die Regeln der Bundesstaaten in einem Bundesgesetz zu vereinheitlichen.
6. Chancen und Risiken: Was RSI für uns bedeuten könnte
RSI könnte Jahrzehnte an Forschung in wenige Jahre verdichten, mit großen Chancen für Wissenschaft und Medizin. Dieselbe Dynamik könnte aber dazu führen, dass Menschen die Kontrolle über die Entwicklung verlieren.
Chancen
- Schnellere WissenschaftDario Amodei hält es für möglich, den Fortschritt, für den die Biologie 50 bis 100 Jahre bräuchte, in 5 bis 10 Jahre zu komprimieren.
- MedizinAnthropic nennt schnellere klinische Studien und medizinische Forschung als mögliche Folgen.
- Effizientere KIKI findet bessere Algorithmen und spart Rechenleistung, wie AlphaEvolve in Googles Rechenzentren zeigt.
- Sicherheitsforschung wächst mitAutomatisierte Forschung kann auch Sicherheitsprobleme schneller lösen. In einem Test von Anthropic übertrafen Claude-Agenten bei allen sieben untersuchten Problemen die besten Ideen von 28 Forschenden.
Risiken
- KontrollverlustFehler in den Zielen eines Modells könnten sich über Generationen fortpflanzen, wenn Menschen den Prozess nicht mehr verstehen.
- Zu schnell für die GesellschaftArbeitsmarkt, Regulierung und Institutionen könnten mit dem Tempo nicht Schritt halten.
- MachtkonzentrationWer RSI zuerst erreicht, könnte uneinholbar vorne liegen. Ohne menschliche Forschende fallen zudem mögliche Whistleblower weg.
- Sicherheit der ModellgewichteGestohlene oder von der KI selbst kopierte Modellgewichte könnten sich jeder Kontrolle entziehen.
Die Risiken beschreiben unter anderem Anthropic in „When AI builds itself“, der International AI Safety Report 2026, der Bericht um Hinton und Bengio und die Forscher von Forethought.
Skeptiker halten beide Seiten für überzeichnet: Wenn Rechenleistung, Energie und reale Experimente den Fortschritt bremsen, wäre RSI eher eine starke Beschleunigung als eine Explosion. Chancen und Risiken ähnelten dann denen anderer umwälzender Technologien, und Gesellschaften hätten Zeit, sich anzupassen.
7. Fazit: So kannst du RSI einordnen
Recursive Self-Improvement ist keine reine Science-Fiction mehr, im strengen Sinn aber noch nicht erreicht. Die Vorstufen lassen sich durchaus messen: KI schreibt in den Labs den Großteil des Codes, Agenten lösen immer längere Aufgaben, erste Systeme haben das Training ihres eigenen Modells beschleunigt, und Anthropic verbessert seine Modelle laut METR schon etwa doppelt so schnell wie früher. Offen ist, ob daraus eine Intelligenz-Explosion oder eine stetige Beschleunigung wird.
Um sich eine eigene Meinung zu dem Thema zu bilden, hilft es u.E., wenn man eigene Antworten auf die folgenden Fragen sucht:
- Wird zum Einhalten der Scaling Laws immer mehr Energie benötigt? Oder anders formuliert: Bremsen Rechenleistung, Energie und Durchführung von Experimenten den Fortschritt?
- Erkennen die Labs rechtzeitig, wenn die Beschleunigung einsetzt?
- Gelingt es, Regeln zu schaffen, die ein Verlangsamen oder Anhalten über Firmen- und Landesgrenzen hinweg möglich machen?
Wir aktualisieren diesen Artikel, sobald sich der Stand ändert. Die neuesten Modelle und ihre Benchmark-Ergebnisse findest du jederzeit in unserem LLM-Vergleich.
FAQ: Häufige Fragen zu Recursive Self-Improvement
Was bedeutet RSI bei KI?
RSI steht für Recursive Self-Improvement, auf Deutsch rekursive Selbstverbesserung. Gemeint ist ein KI-System, das seinen eigenen, besseren Nachfolger weitgehend selbst entwickelt. Weil jede verbesserte Version die nächste noch besser verbessern kann, könnte sich der Fortschritt immer weiter beschleunigen.
Ist Recursive Self-Improvement dasselbe wie AGI oder Superintelligenz?
Nein. RSI beschreibt einen Prozess, bei dem KI bessere KI entwickelt. AGI und Superintelligenz beschreiben Fähigkeitsniveaus: KI auf menschlichem Niveau bzw. weit darüber. RSI könnte der Weg sein, auf dem aus AGI eine Superintelligenz wird, theoretisch aber auch schon vor AGI einsetzen.
Was ist eine Intelligenzexplosion?
Der Begriff stammt vom Mathematiker I. J. Good (1965). Er beschreibt den Moment, in dem eine Maschine so intelligent ist, dass sie noch bessere Maschinen entwerfen kann, die wiederum bessere entwerfen. Die Intelligenz der Maschinen würde dann rasant steigen und die des Menschen weit hinter sich lassen. Heute spricht man in diesem Zusammenhang auch von einem schnellen Takeoff.
Hat eine KI schon einmal ihren eigenen Nachfolger gebaut?
Nein, nicht vollständig. Es gibt Vorstufen: Googles AlphaEvolve hat einen Baustein im Training des Gemini-Modells beschleunigt, auf dem es selbst basiert, und bei Anthropic schreibt Claude über 90 % der Code-Beiträge. Ein neues, stärkeres Modell hat aber noch keine KI ohne Menschen entwickelt (Stand: November 2026).
Was hat Anthropic zu RSI an die US-Börsenaufsicht gemeldet?
Im Börsenprospekt (S-1/A vom 2. November 2026) schreibt Anthropic, interne Schätzungen deuteten darauf hin, dass man bald die eigene Schwelle für dramatisch beschleunigten, auf KI zurückzuführenden Fortschritt erreichen könnte. Kein aktuelles Modell überschreite sie bisher. Anthropic will seine Sicherheitsrichtlinie überarbeiten, damit Menschen die Kontrolle über die Entwicklung behalten. Drei Tage später kam die Prüforganisation METR zu dem Ergebnis, dass Anthropic seine Modelle bereits etwa doppelt so schnell verbessert wie früher. Mehr dazu in unserer News.
Wann könnte RSI Realität werden?
Das ist umstritten. Anthropic hält es für möglich, dass die eigene Schwelle bald erreicht wird, und Daniel Kokotajlo vom AI Futures Project sieht eine Chance von etwa 50 % für vollständig automatisierte KI-Forschung bis Ende 2028. Skeptiker wie Epoch AI oder Arvind Narayanan und Sayash Kapoor erwarten dagegen keinen abrupten Sprung, sondern graduellen Fortschritt.
Kann man rekursive Selbstverbesserung stoppen?
Die großen Labs haben Schwellen definiert, ab denen sie handeln wollen. OpenAI etwa will die Weiterentwicklung anhalten, sobald ein Modell sich rekursiv selbst verbessern kann. Ob das in der Praxis gelingt, ist offen, denn ein Lab allein kann den Wettlauf nicht stoppen. Anthropic betont deshalb, eine Pause funktioniere nur, wenn mehrere Labs in mehreren Ländern unter denselben Bedingungen anhalten.
Ist selbstverbessernde KI gefährlich?
Sie kann es sein. Das größte Risiko sehen Fachleute im Kontrollverlust: Wenn sich KI schneller verbessert, als Menschen sie verstehen, könnten sich Fehler über Modellgenerationen fortpflanzen. Dem stehen große Chancen gegenüber, etwa für Medizin und Wissenschaft. Wie groß die Risiken sind, hängt davon ab, wie schnell RSI verläuft und wie gut Kontrolle und Regulierung funktionieren.
